JUVENILE IDIOPATHISCHE ARTHRITIS

Juvenile idiopathische Arthritis - kurz JIA - ist ein Sammelbegriff für chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen (Arthritis) bei Kindern und Jugendlichen. Die JIA ist die häufigste rheumatische Erkrankung im Kindesalter und unterscheidet sich deutlich von rheumatischen Erkrankungen bei Erwachsenen. An ihr sind in Deutschland etwa 15.000 Jugendliche im Alter bis zu 16 Jahren erkrankt, circa 750 bis 1.000 Kinder erkranken jährlich neu daran. Es gibt verschiedene Erscheinungsformen, die sich in Anzahl und Muster der betroffenen Gelenke unterscheiden. 

Schmerzen können durch Einnahme schmerzentlastender Haltungen zu Fehlstellungen führen. Die Arthritis kann daher den Alltag betroffener Kinder einschneidend verändern. Eine rechtzeitige Therapie mit Medikamenten und Physiotherapie kann in vielen Fällen zum vollständigen Rückgang der Gelenkentzündung und der Bewegungseinschränkungen führen. Bei manchen Patienten sind nur wenige Gelenke entzündet (Oligoarthritis, oligos von griech.: wenige). Oft sind bei dieser Untergruppe die großen Gelenke, wie Kniegelenke und Sprunggelenke, betroffen. Im aktiven Krankheitsschub schmerzen die Gelenke, sind geschwollen und überwärmt und ihre Beweglichkeit ist deutlich eingeschränkt. Die Oligoarthritis tritt meist beim Kleinkind auf und Mädchen erkranken häufiger als Jungen. Bei bis zu 40 % dieser Kinder kann sich begleitend eine rheumatische Augenentzündung (Uveitis) entwickeln. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind daher wichtig. Bei der sogenannten Polyarthritis (poly von griech.: viele) ist die Anzahl der betroffenen Gelenke gegenüber der Oligoarthritis höher und das Befallsmuster meist symmetrisch. Dabei sind häufig  kleine (Finger- und Handgelenke) und große Gelenke entzündet. Auch bei dieser Unterform erkranken Mädchen häufiger als Jungen. Man unterscheidet die Rheumafaktor-positive und –negative Polyarthritis. Der Rheumafaktor ist ein sogenannter Autoantikörper, der in Blut nachweisbar ist und damit ein Baustein in der Diagnostik darstellt.

Findet sich beim betroffenen Kind eine Entzündung an den Gelenken zusammen mit einer Schuppenflechte (Psoriasis) oder besteht eine Schuppenflechte bei einem erstgradig Verwandten, bezeichnet man diese Form als Psoriasis-Arthritis. Bei etwa der Hälfte der Patienten zeigt sich zuerst die Gelenkentzündung, bei der anderen Hälfte zuerst die Schuppenflechte. Eine Enthesitis-assoziierte Arthritis liegt vor, wenn neben den Gelenken auch die Sehnenansätze entzündet sind (lat. Enthesitis). Sie beginnt meist im Schulalter und tritt bevorzugt bei Jungen auf. Die systemische Form der JIA unterscheidet sich grundsätzlich von den anderen Formen der JIA. Sie beginnt meist schon beim Kleinkind. Begleitend zum Gelenkbefall treten wiederkehrende Fieberschübe, typischerweise mit 1 bis 2 Fieberspitzen täglich, auf. Daneben ist sie oft mit Leber- und Milzschwellungen sowie Hautentzündungen verbunden. Es kann zu Organbeteiligungen kommen. Bei einigen Patienten mit JIA entwickelt sich eine Entzündung des Auges (s. o. Oligoarthritis). Sie tritt meist schleichend auf und kann sich durch Symptome wie Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und gerötete Augen bemerkbar machen.

Welche Ursachen und Risiken gibt es für die Entstehung einer juvenilen idiopathischen Arthritis?

Die Ursache der  juvenilen Arthritis ist in weiten Teilen unbekannt. Erbfaktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Sicher ist, dass es sich um eine  Autoimmunerkrankung, also fehlgesteuerte Reaktion des Immunsystems handelt. Dieser Abwehrapparat hat die Aufgabe, gefährliche Krankheitserreger, Fremd- und Schadstoffe zu erkennen und gezielt zu zerstören. Körpereigene Substanzen und umliegendes Gewebe werden von den Zellen des Immunsystems normalerweise erkannt und toleriert. Ist die Zell-Zell-Kommunikation jedoch gestört, entfaltet das Immunsystem seine zerstörerische Aktivität auch gegen körpereigenes Gewebe, was zu einer Entzündungsreaktion führt.

Welche Rolle spielt die Lebensweise bei einer juvenilen idiopathischen Arthritis?

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie empfiehlt eine ausgewogene Ernährung mit einem ausreichenden Angebot an Energieträgern, Vitaminen, Ballaststoffen und Spurenelementen. Eine einseitige Diät ist auf jeden Fall zu vermeiden. Die Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen verzehrt mehr Fleisch und Wurst und weniger Obst und Gemüse als empfohlen. In jedem Fall sollte auf eine altersgemäße Calciumzufuhr geachtet werden.

Es kann zu einem erheblichen Gewichtsverlust kommen. Eltern müssen auch darauf achten, dass das Kind nicht zu stark an Gewicht verliert. 

Die jugendlichen Patienten sollten nicht zusätzlich belastet werden, die Familie sollte versuchen, das Leben so normal wie möglich fortzusetzen.

Wie wird die Diagnostik bei der juvenilen idiopathischen Arthritis durchgeführt?

Für die Diagnosestellung fragt der Arzt nach Art, Beginn und Verlauf der aktuellen Beschwerden. Hinweise auf auslösende Ereignisse und weitere Fälle einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung in der Familiengeschichte sind wichtig.

Jedes schmerzhafte Gelenk wird bei der gründlichen körperlichen Untersuchung beachtet. Auch auf Hautveränderungen und eine Beteiligung der Augen wird der Arzt achten. Neben der körperlichen Untersuchung spielen Laboruntersuchungen des Blutes sowie bildgebende Verfahren (z. B. Röntgen- und Ultraschalluntersuchung) eine wichtige diagnostische Rolle.

Die Symptome einer juvenilen idiopathischen Arthritis ähneln im Anfangsstadium denen anderer rheumatischer Erkrankungen. Ein Facharzt für Kinder-Rheumatologie ist auf die Besonderheiten der Diagnosestellung spezialisiert und kann eine wirksame und verträgliche Therapie einleiten und überwachen.

Wie wird eine juvenile idiopathische Arthritis behandelt?

Die Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis beginnt in der Regel mit nichtsterodialen Antirheumatika – kurz NSAR (z. B. der Wirkstoff Diclofenac). Die NSAR helfen gegen Gelenkschmerzen, Schwellungen und Fieber. Sie wirken rasch, meist tritt eine Besserung innerhalb von Stunden bis Tagen ein. Bei leichten Verläufen ist diese Therapie oft ausreichend.

Schreitet die Erkrankung jedoch chronisch fort sind zusätzlich sogenannte Basistherapeutika erforderlich. Sie greifen regulierend in das fehlgesteuerte Immunsystem ein und können das weitere Fortschreiten der Erkrankung abschwächen und verhindern. 

Zu den Basistherapeutika zählen z. B. die Wirkstoffe Methotrexat, Leflunomid, Sulfasalazin, Azathioprin und Antimalariamittel. Methotrexat gilt derzeit als Goldstandard bei der JIA. 
Bei schwer erkrankten Kindern können Biologika eingesetzt werden. Hierbei handelt es sich um Medikamente, die gegen körpereigene Botenstoffe gerichtet sind, die bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der rheumatischen Erkrankung eine wichtige Rolle spielen.

Als weitere medikamentöse Säule haben sich Kortikoide (vom körpereigenen Kortison abgeleitete Wirkstoffe, wie z. B. Prednisolon) bewährt. Sie wirken stark entzündungshemmend und werden entweder in Tablettenform eingenommen oder als Lösung direkt in das entzündete Gelenk injiziert. Diese Substanzen wirken sehr schnell schmerzlindernd und kurzfristig entzündungshemmend. Sie beeinflussen jedoch nicht den eigentlichen Krankheitsverlauf. Bei den meisten Patienten kommen Kortikoide so lange zum Einsatz, bis die Entzündungen und Schmerzen deutlich abklingen. Anschließend wird oft deren Dosis reduziert oder das Präparat ganz ausgeschlichen.

Neben der medikamentösen Behandlung bieten sich nicht-medikamentöse Behandlungsformen an. An vorderster Stelle stehen krankengymnastische Übungen, physikalische Therapien, Patientenschulungen und Hilfsmittel wie z. B. Einlagen.

Krankengymnastik dient der Vorbeugung von Bewegungseinschränkungen, Gelenkversteifungen und Fehlstellungen und der Vermeidung von Ausweichbewegungen und ungünstigen Bewegungsmustern. Bei bereits eingetretenen Veränderungen dieser Art versucht sie eine Korrektur mit dem Ziel einer Wiederherstellung der normalen Verhältnisse.

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